Kanalnetzberechnung
Historische Entwicklung der Verfahren zur Kanalnetzberechnung
- Zeitbeiwertverfahren:
Hier ging es zunächst nur um eine geeignete Dimensionierung der Rohrduchmesser. Grundlage ist dabei eine Regenspendelinie einer vorgegebenen jährlichen Auftrittshäufigkeit oder Wiederkehrzeit von Regenspenden aufsteigender Dauer. Dabei ist an jedem Ort des Kanalnetzes genau diejenige Spende maßgeblich, deren Dauer der Fließzeit entspricht. Die Ergebnisse sind unabhängig zu sehen von der Tiefenlage des Kanalnetzes. Deswegen ist dieses Verfahren völlig ungeeignet für Überflutungsnachweise sowie auch für Beckendimensionierungen.
- Konstanter Abflussbeiwert oder auch Summenlinienverfahren:
Beckendimensionierungen möglich aber keine Überstaunachweise. Der Abflussbeiwert hängt bei diesem Verfahren nicht von der Regendauer ab, im Gegensatz zum Verfahren mit dem
- Veränderlichen Abflussbeiwert (Pecher):
Mit diesen Verfahren werden komplette Abflussganglinien durchgerechnet , so daß auch damit auch begrenzte Beckendimensionierungen möglich sind.
- Oberflächenabflussmodell:
Beckendimensionierungen und beschränkte Einstau- und Überstaunachweise sind
hiermit möglich. Alle bisher genannten Verfahren sind zeitasymmetrisch. Individualkonzepte sind damit nicht sinnvoll und wirtschaftlich anwendbar, da bei zeitasymmetrischen Verfahren Rückstausituationen mehr oder weniger unrealistisch abgebildet werden. Über geeignete Kalibrierungen wird versucht Verfahrens- und Datenungenauigkeiten gegenläufig zu gestalten. Sie soll verhindern, dass sich die Fehler in den Ergebnissen potenzieren.
- Zeitsymmetrische Kanalnetzberechnung und Oberflächenabflussberechnung:
Der Unterschied zur zeitasymmentrischen Berechnung besteht darin, dass das
Kanalnetz in der zeitlichen Reihenfolge nicht von oben nach unten oder umgekehrt
(z.B. Energielinienberechnungim Oberflächenabflussmodell oder
Abflussbeiwertverfahren) berechnet wird, sondern zu jedem Zeitpunkt komplett.
Bei vorzeitigem Abbruch der Kanalnetzberechnung ist das komplette Netz
gleichmäßig komplett durchgerechnet bis zum Simulationszeitpunkt des Abbruchs.
Im Falle einer zeitasymmetrischen Kanalnetzberechnung, auch genannt
hydrologische Verfahren, ist nur der obere Teil des Netzes komplett gerechnet,
dieser Teil jedoch über den komplett angesetzten Simulationszeitraum. Würde man
einen Film drehen, der die Belastung des Netzes zu jedem Zeitpunkt darstellt, so
würde man im Falle eines zeitsymmetrischen Verfahrens nicht erkennen, ob dieser
vorwärts- oder rückwärts läuft, im anderen Falle natürlich sofort, da sich beim
Rückwärtslaufen ja erst die unteren Netzteile füllen würden und zuletzt die
oberen. Zeitsymmetrische Verfahren zeichnen sich selbstverständlich durch eine
höhere Genauigkeit aus, da alle Netzzustände gleichzeitig überblickt werden
können. Der neue Netzzustand ergibt sich unter sehr feiner zeitlicher Auflösung
aus dem alten Zustand durch elementare mathematische Lösung eines Anfangs-
Randwertproblems, formuliert über die Einhaltung der Volumen-, Energie- und
Impulsbilanz. Diese zeitsymmetrischen Verfahren sind im Gegensatz zu den
zeitasymmetrischen Verfahren sehr rechenzeitintensiv. Aus diesem Grunde werden
in den letzten Jahren hier neue Wege bestritten, die die neuen
Mehrkernprozessoren (symmetrisches Multiprozessing) sowie verteilte Berechnungen
auf mehreren Rechnern (Massiv Paralleles Rechnen) ins Spiel bringen. Vorreiter
war hier die Firma tandler.com mit der Entwicklung des Komplexen
Parallelschrittverfahrens (CPM) innerhalb der Kanalnetberechnung KANAL++
Hydraulik, in dem die Rechenzeiten so drastisch verkürzt werden konnten, dass es
nunmehr möglich ist, Serien- und Langzeitsimulationen mit individuellen
Gebietsdaten so durchzuführen, dass für Nachweiszwecke sowohl die Belange des
Gewässerschutzes, als auch die Belange der Überflutungssicherheit gleichzeitig
berücksichtigt und geprüft werden können. Es zeigt sich anhand vieler
durchgeführter praktischer Untersuchungen, dass Kalibrierungen nur noch dafür
notwendig sind, zu grobe oder auch ungenaue Daten im Modell anhand konkreter
Messungen zu korrigieren. Dieser Aufwand für die Kalibrierung wird sich
erheblich reduzieren, wenn zunehmend genaue und individuelle Daten in die
Modelle einfließen (Ungleiche Beregnung, Bodenaufbau,
Oberflächencharakteristik), wie die langjährige Erfahrung zeigt. Für die
langjährige Prognose des Systemverhaltens ist die Individualisierung der Daten
nicht unbedingt notwendig , um eine erwartungstreue sichere Abschätzung für die
langjährigen Belastungs- bzw. Überflutungswahrscheinlichkeiten zu erhalten. Dies
ist unter Erhöhung der Sicherheiten z.B der Fall, wenn man das Einzugsgebiet nur
mit einem großflächigen Gebietsregen anstatt mit einem Netz von
Niederschlagsstationen beregnen lässt. Die dadurch erreichten Sicherheiten
verteilen sich dann jedoch gleichmäßiger, als wenn man versucht, diese durch ein
mit deterministischen Fehlern behaftetes Verfahren – wie sie durch die
Zeitasymmetrie zustande kommen – zu erlangen. Dies geht letztlich zu Lasten der
Kosten oder der Sicherheit.
- GeoCPM: Beides steht in keinem Verhältnis
zu den Kosten des Einsatzes des Complexen Parallelschrittverfahrens (CPM) ,
welches zwischenzeitlich auch in eine gleichzeitige Berechnung der Oberfläche
(GeoCPM) Eingang gefunden hat, welche bidirektional mit an die
Kanalnetzberechnung gekoppelt werden kann. Der Abflussprozess im Kanal wird
damit in seiner Abbildungsgenauigkeit ebenfalls wieder näher an die Realität
herangeführt. Eine weiterer Schritt in Richtung einer umfassenden
Überflutungsprüfung bzw eines Überflutungsnachweises ist damit getan. Die
derzeitige Grenze des informationstechnisch
Machbaren beim Überflutungsnachweis ist damit jedenfalls erreicht.

Diese Entwicklung der Kanalnetzberechnung spiegelt sich in den von uns angebotenen Programmen wieder.
Die Kanalnetzberechnungsverfahren bilden die Grundlage für die Erstellung eines Generalentwässerungsplans (GEP) oder auch Masterplanes für das entsprechende Kanalnetze und seiner verbundenen Gewässer.
Der Generalentwässerungsplan wird als Nachweis für gesetzliche Anforderungen der Abwasserbeseitigung, als Planungsgrundlage für neue Kanalnetze sowie als Sanierungskonzept für bestehende Kanalnetze verwendet.
Erstmals ist es nunmehr möglich Ist- und Planungszustände innerhalb einer Projektdatei zu verwalten und per Mausklick zwischen beiden Zuständen hin- und herzuschalten.. Zugleich genügt in Zukunft ein Modell für die beiden teilweise gegenläufigen Schutzziele, für den Gewässerschutz einerseits sowie den Überflutungsschutz andererseits.